Die Blutegeltherapie

Vom Blutegel (medizinischer Blutegel = Hirudo medicinalis) haben viele die gleiche Meinung: glitschig, blutsaugend, ekelig. Dabei werden Blutegel seit gut 3000 Jahren verwendet um Menschen bei diversen Krankheiten zu behandeln. Und das mit großen Erfolgen.

Vor diesem Hintergrund wird seit einigen Jahren die Blutegeltherapie auch bei Tieren angewendet.

 

Allgemeines zur Blutegeltherapie:

Außerhalb des Wassers bewegt sich der Blutegel mit Hilfe von zwei Saugnäpfen an den Körperenden fort. Hirudo medicinalis hat eine bräunliche bis olivgrüne Farbe, rötliche Streifen auf dem Rücken und schwarze Flecken auf dem Bauch.

Nach dem nahezu schmerzlosen Biss gibt der Blutegel eine Reihe von Wirkstoffen in die Wunde ab.

Wirkstoffe:

Hirudin: gerinnungshemmend, Erhöhung der Leukozythenaktivität, vermutlich diuretisch (harntreibend, entwässernd, nierenanregend)

Calin: gerinnungshemmend, bewirkt die lange Nachblutung an der Bissstelle

Eglin:
antiphlogistisch (entzündungshemmend)

Orgelase:
verschafft anderen Wirkstoffen Platz im Interstitium, mucolytisch (schleimlösend) im Wundbereich, bakterizid, verstärkt den Blutstrom im Saugbereich

Histaminähnliche Substanz: Gefäßdilatation um die Bissstelle,

Aeromonas hydrophila: Darmsymbiont des Blutegels, produziert eine antibiotika-ähnliche Substanz

Lipide: verhindern den Wundschluss

 

Was passiert bei der Blutegeltherapie

Die Behandlung dauert in der Regel 60 - 90 Minuten. Sie ist von mir als Therapeut nicht zu beeinflussen, sondern allein vom Hunger und Schnelligkeit der Egel abhängig.
Zu Behandlungsbeginn wird der Egel an die zu behandelnde Stelle gesetzt, saugt sich fest und sägt sich mit seinen Kalkzähnchen durch die Haut. Im weiteren Verlauf leitet der Blutegel seine Wirkstoffe in das Gewebe ein und fällt anschließend von alleine ab.
Die kleine Wunde blutet anschließend 4-12 Std nach. Dies ist teil der Therapie, daher darf die Wunde keinen Druckverband erhalten!
Der heilende Effekt kann nach unterschiedlichen Zeitabständen, oft sogar unmittelbar im Anschluss an die Behandlung auftreten und hält häufig monatelang an.

 

Vor der Therapie zu beachten

Fischöl, acetylsalizyhaltige Arzneimittel, hoch dosierte Enzympräparate müssen 3 Tage vor der Behandlung abgesetzt werden und dürfen erst 2 Tage danach wieder angewendet werden.

Bitte verzichten Sie auch 2 Tage vorher auf die Fütterung von Knoblauch oder ähnlich stark riechenden Futterzusätzen.

Ebenso bitte mind. 2 Tage vorher keine Duftstoffe, Shampoos, Fliegenmittel oder Salben auf die zu behandelnde Gliedmaße auftragen, das mögen die Egel nicht.

 

Auch die Anwendung von Spot On Präparaten, Repellent Halsbändern (wie Scalibor), Wurmkuren, Antibiotika oder Cortisongaben sollten mindestens 1 Woche her sein.

 

 

Auswahl an Indikationen Pferd:

  • Arthrose / Arthritis (z.B. Spat, Schale)
  • Huferkrankungen (z.B. Rehe)
  • Erkrankungen der Sehen (z.B. Fesselträgerentzündungen)
  • Gallen
  • Hufrollenproblematik
  • Wirbelsäulenerkrankungen (z.B. Spondylose, Kissing Spines)
  • Myogelosen (Muskelverhärtungen)
  • Druckstellen (z.B. Satteldruck)
  • Hämatome

Auswahl an Indikationen Hund:

  • Arthritis / Arthrose
  • Gelenkfehlbildungen ( z.B. HD, ED, FPC)
  • Erkrankungen der Sehnen und Bänder
  • Wirbelsäulenerkrankungen (z.B. Bandscheibenvorfall, Cauda Equina, Spondylosen)
  • Nervenreizungen / Nervenentzündungen
  • Myogelosen (Muskelverhärtungen)
  • Ekzeme
  • Abzesse
  • Ödeme
  • Hämatome

Kontraindikationen:

  • Tiere unter 7 kg
  • Starke Blutarmut (Anämie)
  • Immunschwäche
  • Wundheilungsstörungen
  • Diabetes mellitus
  • Gerinnungshemmungsstörung (Bluter)
  • Bekannte allergische Reaktion auf Wirkstoffe des Blutegels
  • Tiere, die eine geschwächte allgemeine Konstitution aufweisen
  • Tiere, die gerinnungshemmende Medikamente verabreicht bekommen
  • Trächtigkeit
  • Fortgeschrittene Lebererkrankung
  • Nierenerkrankungen
  • Extreme Allergiker, besonders gegen Eiweiße
  • Viruserkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Starker Durchfall
  • 48 Stunden vor einer OP